Nervenkrankheiten auf dem Vormarsch: die häufigsten Ursachen für die Berufsunfähigkeit

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten Policen überhaupt: ist es nicht mehr möglich, dem der eigenen Qualifikation entsprechenden Beruf nachzugehen, zahlt die Versicherung eine im Vorfeld vereinbarte Rente und sichert damit den Lebensstandard. Die Absicherung fällt dabei besonders umfangreich aus, weil anders als bei der privaten Unfallversicherung auch das Krankheitsrisiko abgedeckt ist. Welche Gründe führen dazu, dass eine Berufsunfähigkeit gegeben ist?

Wann eine Berufsunfähigkeit festgestellt wird

Wer schwer erkrankt oder durch einen Unfall verletzt wird, erhält zunächst eine Krankschreibung durch einen Arzt. Hier stellt sich natürlich die Frage, wann im Unterschied zu einer üblichen Krankschreibung von einer Berufsunfähigkeit gesprochen werden kann.

Hier geben die Vertragsbedingungen der Versicherungen Auskunft: üblicherweise muss die gesundheitliche Einschränkung mindestens 50 % betragen. Dies kann Beispiel zwei sind darin bemessen werden, dass nur noch die Hälfte eines üblichen Arbeitstages absolviert werden kann.

Zudem muss diagnostiziert werden, dass der Beruf für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten nicht ausgeübt werden kann. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang also die Prognose des Arztes, der die entsprechende Beurteilung vornimmt. Ab dann übernimmt nicht mehr die Krankenkasse die Lohnfortzahlung, stattdessen erhalten Versicherte Leistungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder der Unfallversicherung.

Vor der Wahl der passenden Police sollten sich Interessenten die Frage stellen, welches Risiko als besonders hoch einzustufen ist; hier sind die Annahmen nämlich häufig falsch.

Nervenkrankheiten häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Insbesondere körperliche Tätigkeiten werden mit einer hohen Unfallgefahr in Verbindung gebracht - weshalb gerne angenommen wird, dass eine private Unfallversicherung ausreichend sei.

Depressionen & Burnout

Insbesondere Depressionen und Burnout führen häufig dazu, dass der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Hinsichtlich des Alters gibt es hierbei keine signifikanten Häufungen, in der Altersgruppe ab 51 Jahren steigt Wahrscheinlichkeit von Nervenkrankheiten allerdings ein wenig an.

Krebs

An dritter Stelle der Gründe für Berufsunfähigkeit kommt Krebs zusammen mit anderen bösartigen Geschwülsten; immerhin 16 Prozent sind betroffen. Hier zeigt sich eine besondere Häufung in der Gruppe der 41 bis 50-jährigen.

Nervenkrankheiten

Tatsächlich zeigt sich allerdings, dass Nervenkrankheiten mittlerweile mit einem Anteil von durchschnittlich 28,64 Prozent die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit sind.

Skelett- & Bewegungsapparates

An zweiter Stelle rangieren Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates, wobei die Betroffenen hier üblicherweise nicht einmal 40 Jahre alt sind. Etwa 20 Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit sind hierauf zurückzuführen; häufig dürften insbesondere Rückenleiden für eine dauerhafte Niederlegung der Tätigkeit sorgen.

Unfälle: nur jeder zehnte Fall von Berufsunfähigkeit

Die weiteren Erkrankungen lassen sich nicht genau aufschlüsseln, denn an vierter Stelle kommen mit einem Anteil von 15,5 Prozent "sonstige Erkrankungen", weitere 8,6 Prozent werden Herzkrankheiten und Gefäßerkrankungen zugerechnet.

Hier sind Menschen in der Altersgruppe ab 51 Jahren besonders stark betroffen - gegenüber jüngeren Arbeitnehmern ist das Risiko hier beinahe doppelt so groß. Wer die Zahlen aufmerksam betrachtet hat, wird festgestellt haben, dass Unfälle bis jetzt gar nicht vorkamen. Tatsächlich ist nur etwa jeder zehnte Fall von Berufsunfähigkeit.

Ursachen für eine Berufsunfähigkeit

Quelle: gdv.de

Immer mehr Fälle von Berufsunfähigkeit

Abgesehen von den relativen Anteilen verschiedener Erkrankungen lassen sich noch zwei andere Entwicklungen ausmachen: zum einen wird prognostiziert, dass etwa jeder vierte Arbeitnehmer nicht bis zum Renteneintritt arbeiten kann und vorher durch eine Berufsunfähigkeit aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Mit einer schrittweisen Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und einer zunehmenden Verdichtung des Arbeitsalltags, was wiederum den Stress in vielen Branchen erhöht, dürfte dieser Anteil noch deutlich steigen.

In den letzten fünf Jahren konnte bereits ein Anstieg der Leistungsfälle um 20 Prozent ausgemacht werden. Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört damit also zu den wichtigsten Policen überhaupt. Die Absicherung als solches sollte kaum infrage gestellt werden. Ratsam ist es, die Versicherung möglichst früh abzuschließen, damit die Prämien möglichst gering ausfallen.